Customer Profile engelbert strauss

Erschienen in Online-Magazin Searchnetworking

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Komplettes Netz-Redesign für den Versandhändler Engelbert Strauss

26.02.2010 | Autor: Georg von der Howen

Der Strauß des Engelbert-Strauss-Logos braucht den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Das Unternehmen ist erfolgreich und besitzt ein funktionierendes IT-Netz.Der Strauß des Engelbert-Strauss-Logos braucht den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Das Unternehmen ist erfolgreich und besitzt ein funktionierendes IT-Netz.

„Unser neues Lager sollte es uns ermöglichen, die Zahl der täglich versendeten Pakete zu verdoppeln“, sagt Matthias Fischer, Leiter der IT beim Versandhändler Engelbert Strauss. „Voraussetzung dafür war, dass auch unser Netzwerk dieses Wachstum mitmacht und jede Art von Störung übersteht“. Der IT-Dienstleister des Unternehmens Blue Networks entscheid sich unter anderem für Netztechnik von Extreme Networks.

Im Jahr 2007 fiel bei Engelbert Strauss die Entscheidung für ein komplettes Redesign der IT-Infrastruktur. Das bedeutete: Weg mit den Altlasten und her mit Glasfaser, Unterstützung von Multiple-Spanning-Tree und mindestens 100 VLANs! Das Unternehmenswachstum machte die Investitionen notwendig. Denn die Engelbert Strauss GmbH & Co. KG mit Sitz im hessischen Biebergemünd gehört zu den führende europäischen Versandhandelsunternehmen für Berufsbekleidung und Arbeitsschutz.

Gut 15.000 Artikel von Atemschutzmasken über Bürobedarf bis hin zur Funktionsbekleidung und Werkstatteinrichtung hält das Warenlager im Spessart ständig verfügbar. Rund 400 Mitarbeiter sorgen bei dem Familienunternehmen täglich dafür, dass jede Bestellung spätestens über Nacht bearbeitet wird und so innerhalb von 24 Stunden zum Empfänger gelangt.

Im Jahr 2000 erweiterte der Versandhändler die erst 1994 fertiggestellten Lager- und Verwaltungsgebäude auf dem 35.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände erheblich. Weitere sechs Jahre später folgte die Planung für einen weiteren Ausbau des Logistik-Zentrums, der Bürokomplexe sowie der Logistik-Kapazitäten.

Hochverfügbarkeit ist lebenswichtig

Der Erfolg stellt das Unternehmen allerdings auch vor IT-Herausforderungen. Wie bei vielen mittelständischen Unternehmen war das lokale Netz am Standort Biebergemünd über die Jahre mit dem Unternehmen mitgewachsen. Um im Zuge der Expansion auch bei der IT eine solide Basis für die Zukunft zu schaffen, beauftragte das Unternehmen Ende 2007 den IT-Dienstleister Blue Networks aus dem rund 40 Kilometer entfernten Altenstadt mit der Entwicklung eines zukunftsfähigen Konzepts.

Dieser analysierte zunächst die vorhandenen Komponenten und machte sich dann an die Entwicklung eines neuen Netzwerk-Designs. Peer Kohlstetter, Geschäftsführer von Blue Networks stellte fest: „Für Engelbert Strauss wäre ein Stillstand des Netzwerks von einem Tag bei dem Versandvolumen kaum aufzuholen. Daher haben wir gemeinsam mit dem Kunden beschlossen, ein komplettes Redesign der IT-Infrastruktur durchzuführen. Auf diese Weise konnten wir die bestmögliche Lösung implementieren und gleichzeitig verhindern, dass vielleicht irgendwann einmal Altlasten den Netzbetrieb negativ beeinflussen.“

Redesign mit Redundanz

Das neue Netzwerk-Design sieht zwei zentrale Layer-3-Switches im Core vor. Diese sorgen für vollständige Redundanz bei der Anbindung der rund 20 Etagenverteiler.Dazu wird jeder Edge-Switch per Uplink mit beiden Core-Switches verbunden. Fällt in diesem Szenario einmal ein Core-Switch aus, berechnet das Spanning-Tree-Protokoll (STP) einen Ausweichweg. Der zweite Core-Switch kann allein den kompletten Netzwerkbetrieb aufrechterhalten.

Das Konzept beinhaltet zudem, dass die zahlreichen Server des Unternehmens über ausreichend Bandbreite mit dem Core verbunden werden. Für das Backbone kommt daher nur 10-Gigabit-Ethernet in Frage.
Alle Gebäudeteile sind per Glasfaser erreichbar. Deshalb verzichtet das das Design auf eine Distribution-Ebene. Alle Edge-Switches finden über Gigabit-Ethernet-Glasfaserstrecken direkt Anschluss an die Core-Switches.

Auswahl der Komponenten

Anfang 2008 beauftragte der IT-Leiter von Engelbert Strauss seinen Systempartner mit der Auswahl geeigneter Netzwerkkomponenten. Auf der Liste potentieller Kandidaten standen einerseits die Produkte von Hewlett-Packard als bestehender Lieferant sowie andererseits von Cisco als weltweit größter Hersteller von Switches. Als dritten Kandidat nominierte Blue Networks das kalifornische Unternehmen Extreme Networks. Denn der Dienstleister hatte schon Erfahrungen mit den Switches des Ethernet-Spezialisten.

Auswahlkriterien für die Core- und Edge-Switches waren unter anderem Layer-3-Switching, die Unterstützung von Multiple-Spanning-Tree und mindestens 100 VLANs sowie eine leistungsfähige Stacking-Technologie am Netzwerk-Edge. Peer Kohlstetter erinnert sich: „Alle drei Hersteller konnten beim Switching, den VLANs und bei Spanning-Tree gut mithalten. Beim Stacking sind jedoch die Switches von HP ausgeschieden, da sie nur über eine normale Gigabit-Ethernet-Verbindung stapelbar waren, während Cisco seine Geräte mit 32 Gigabit pro Sekunde und Extreme Network sogar mit 40 Gigabit pro Sekunde stapeln kann.“

Die Entscheidung sei letztlich zu Gunsten von Extreme Networks gefallen, da deren Geräte in mehreren Bereichen hätten deutlich punkten können. Ausschlaggebend sei sowohl „die wirklich gelungene Stacking-Technologie der Edge-Switches“ als auch die Management-Software „Epicenter“ gewesen. Zudem seien die Produkte von Extreme Networks auch noch rund 20 Prozent günstiger als die Produkte von Cisco.

Migration im laufenden Betrieb

Black Diamond 8806 von Extreme Networks ist Bestandteil des Core-Netzes bei Engelbert Strauss. Für das neue Netzwerk beschaffte Blue Networks zunächst vier modulare Chassis-Switches vom Typ „Black Diamond 8806“. Zwei dieser Switches mit je einem Management-Switch-Module „MSM-48“ sowie einem 10-Gigabit-Ethernet-Modul „10G4Xa“ bilden den Netzwerk-Core.
Zwei weitere „Black Diamond 8806“ mit dem gleichen 10-GBE-Modul sowie je zwei 48-Port-GBE-Modulen „G48Te“ sorgen für den Anschluss der Server-Farm an das Netz. Die vier Black Diamond-Switches sind über eine Ringstruktur mit 10-Gigabit-Ethernet miteinander verbunden.

Die beiden Core-Switches stellen zudem jeweils ein 10-GBE-Uplink in die Marketing-Abteilung bereit, die mit sehr großen Dateien arbeitet und entsprechend mehr Bandbreite benötigt. Alle anderen Edge-Switches sind per Gigabit-Ethernet mit dem Core verbunden.

Im ersten Schritt der Migration installierte der IT-Dienstleister die vier Extreme-Switches parallel zur alten Infrastruktur und stellte eine temporäre Verbindung zum bestehenden Netzwerk-Core her. An insgesamt zehn Abenden und Wochenenden bauten die Techniker dann an den 20 Etagenverteilern insgesamt 50 stapelbare Edge-Switches von Typ „Summit X250“ und „Summit X450“ auf und schlossen sie per Glasfaser an die Core-Switches an.
Auf diese Weise migrierte das Service-Unternehmen Zug um Zug das bestehende Netzwerk auf die neue Infrastruktur. Der Aufbau des Netzes im neuen Logistikzentrum konnte während der normalen Geschäftszeiten erfolgen. Alle auftretenden Probleme bei der Migration lösten die Techniker von Blue Networks direkt vor Ort, sodass die Umstellung ohne Beeinträchtigung des Tagesgeschäfts erfolgte.

Genug Raum für weiteres Wachstum

Kapazitätserweiterungen bei Edge-Ports oder die redundante Anbindung weiterer Server sind mit dem neuen Netz quasi ein Kinderspiel. Im ersten Fall stellt die IT-Abteilung einfach ein weiteres Gerät auf den vorhandenen Edge-Switch und verbindet die Komponenten mit der 40-GBit-Stacking-Verbindung. Für zusätzliche Ports im Core oder an den Server-Switches stehen in den Black Diamond-Chassis noch ausreichend freie Slots bereit.
Die Blue Networks betreut das Netzwerk von Engelbert Strauss seit 2009 auch im laufenden Betrieb. Die Mitarbeiter der IT-Abteilung des Versandunternehmens nehmen kleinere Konfigurationsänderungen direkt selbst über die grafische Oberfläche der Management-Software Epicenter vor Ort vor.
Ein großer Flachbildschirm an der Wand des Network Operation Centers von Engelbert Strauss zeigt detaillierten Netzwerkwerk-Diagrammme. IT-Leiter Matthias Fischer liefert die begründung: „Da wir jetzt redundante Pfade in unserem Netz haben, würden wir gar nicht mitbekommen, wenn eine Verbindung einmal ausfallen sollte. Doch über den Flatscreen und Epicenter haben wir unser Netzwerk immer komplett im Blick“.

Der Autor:
Georg von der Howen ist freier Journalist in München.